 GELESEN.TXT

 Die folgenden Texte sind mir irgendwann in irgendwelchen Blttern
 besonders in die Augen gefallen. Sie haben vielleicht nicht immer direkt
 mit dem Thema Musik zu tun. Irgendwo gehren sie aber trotzdem dazu...

                            Musik ist Toleranz.



 Inhalt:
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 The Nits:     Die neue CD
 Van Morrison: Doppel-CD

 Polizei:      Imagewechsel-Versuch in Winterthur
               Keine Street-Parade in Zrich
               Spritzenabgabe

 CD's:         Schwarzpressungen

 Gestorben:    Kurt Cobain, Nirvana
               Lee Brilleaux, Dr.Feelgood

 HELP :        Wiedervereinigung der Beatles...?

 Hannes Wader: Der alte Mann und das Lied


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 Nits: Spielzeug-Miniaturen
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 Eigentlich msste es unmglich sein, sich ber Jahre hinweg fr eine Band
 wie die Nits zu begeistern, die so konsequent unspektakulr tnt. Dennoch
 gelingt es der hollndischen Gruppe mit ihrer bunten Spielzeugmusik immer
 wieder von neuem zu fesseln. Das liegt in erster Linie an den romantischen
 Melodien des Sngers Henk Hofstede.
 Bei allen merkwrdigen Keyboardklngen, die auf dem neuen Album "Da Da Da"
 auftauchen, sind es doch wunderbare Popsongs, die hier zu hren sind. Wie
 Postkarten aus den Badeferien wirken diese musikalischen Miniaturen auch:
 Die Handschrift lsst sich nicht immer entziffern, aber die Emotionen, die
 hinter diesen Songs stecken, die kommen von Herzen, das ist klar.

 The Nits "Da Da Da" (Columbia 475 999)

 nj. TA, 15.4.94

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 Ein Konzert der Nits ist fr mich immer sehr direkt und persnlich. Keine
 hohe Bhne, keine Abgrenzungen mit Sicherheitsbewachung davor, keine
 grossen Lightshows. Nur stille und sehr persnliche Musik. Reaktionen der
 Musiker auf Zufrufe aus dem Publikum. Nicht etwa das bliche "Hello
 Zurich". Am liebsten mchte man auf die Bhne gehen und den Musikern
 bekrftigend die Hand schtteln.
 Bruno/Brsel

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 Van Morrison: Stilsicherer Interpret
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 Er ist inzwischen schon so etwas wie ein bervater der Rockmusik. Das hat
 sicher damit zu tun, dass der 49jhrige irische Snger und songschreiber
 Van Morrison sich nie um Trends gekmmert hat und so nie zum perfekt
 funktionierenden Rdchen in der Popmaschine wurde. Trotzdem bewegt sich
 niemand so sicher und mit derart unverwechselbarem Gespr fr den Song
 durch die Stilrichtungen Blues, Soul, Funk und Jazz. Der neuste Beweis:
 ein Live-Album, aufgenommen im vergangenen Dezember in San Franzisco.
 "Van Morrison knnte aus dem Telefonbuch vorsingen, man wrde ihm noch
 zuhren", hat einmal jemand geschrieben. Van Morrison beherrscht
 tatschlich etwas, was vielen Popknstlern heute abgeht: Er interpretiert
 seine Songs und spult sie nicht einfach ab. Prominenteste Mitstreiter auf
 seiner neuen Live-CD: die junge Saxophonistin Candy Dulfer und die
 Blueslegende John Lee Hooker.

 Van Morrison "A Night In San Franzisco",  2 CD, Polygram

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 Winterthur:  Keine Busse fr Haschisch im Parlament
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 Freispruch in Winterthur

 In den brgerlichen Reihen war die Emprung im Dezember 1993 gross. "Ein
 Affront sondergleichen", wetterte FDP-Gemeindertin Rosmarie Geering,
 nachdem Christoph Schrch im Stadtparlament eine Prise Cannabis vorgezeigt
 hatte, um zu demonstrieren, dass auch "anstndige, arbeitsame und
 sportliche Menschen" gelegentlich pafften. "Der gehrt verzeigt", polterte
 SVP-Gemeinderat und Kantonspolizist Hugo Schmidli damals.

 Das ist im Januar 94 auch geschehen: Aufgrund einer knappen telefonischen
 Befragung durch einen Kantonspolizisten bsste der Winterthurer
 Polizeirichter Andreas Kull den SP-Mann mit 120 Franken.

 Seither hat die Stadtpolizei auf Geheiss des Stadtrates ihre Haschisch-
 Razzien einstellen mssen, die meisten der 100 Bekennerinnen und Bekenner
 des "Wir auch"-Inserates sind straffrei ausgegangen, und jetzt entpuppt
 sich berraschend auch Schrchs parlamentarische Demonstration als nicht
 strafbar.

 Auf eine Einsprache Schrchs hat Polizeirichter Kull nhmlich eine
 Befragung durchgefhrt. Sein Fazit: Schrch konnte sich, juristisch
 unwiderlegbar, nicht erinnern, ob er innerhalb eines Jahres - der
 Verjhrungsfrist - in der Schweiz gepafft habe. Und die Demonstration mit
 etwa 1,5 Gramm Cannabis sei lediglich eine Vorbereitungshandlung zum
 eigenen Konsum gewesen, die zwingend straffrei sei, wenn es sich um eine
 geringfgige Menge handle (Der Richter kann beim eigentlichen Konsum im
 Falle von kleinen Mengen auf Straffreiheit entscheiden, muss aber nicht).

 "Vom Wortlaut des Gesetzes her" sei "kein anderer Entscheid mglich"
 gewesen, begrndete Kull den Widerruf auf Anfrage des TA. Schrch muss
 damit nur die Verfahrenskosten von etwa 100 Franken bezahlen, weil er die
 Untersuchung leichtfertig verursacht hat.

 Roger Keller, TA 13.4.94

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 Warscheinlich hat Polizeirichter Kull tage- und nchtelang herumgehirnt,
 wie er diesen schlechten Ruf der Winterthurer Polizisten wieder verbessern
 knnte. (Diese Automaten sind ja doch ach so lieb!)
 Man erinnere sich: In dieser Stadt wurden harmlose, freakig aussehende
 Leute willkrlich auf der Strasse verhaftet und in Handschellen abgefhrt.
 Sie mussten sich auf dem Polizeiposten nackt ausziehen, wurden usserlich
 und innerlich auf kleinste Schitbrsel untersucht!
 Ich denke da an die 70iger Jahre in Zrich zurck... Damals kiffte ich
 selber natrlich auch (sehr!) und wir versteckten unsere Piecer mit viel
 Fantasie und mglichst "Hundesicher" an den unzugnglichsten Orten.
 Wir lebten dazumal nach Zrcher-Verhltnissen ziemlich "gefhrlich".
 Doch an solche menschenbeleidigende Situationen, wie sie heute in der
 mittelalterlich gewordenen Stadt Winterthur herrschten, kann ich mich
 nicht erinnern.
 Bruno/Brsel

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 Zrich:  Keine Street-Parade in diesem Jahr?
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 Die Veranstaltung ist nach Ansicht des Polizeivorstandes zu gross

 Polizeivorstand Robert Neukomm will einer erneuten Durchfhrung der
 Street-Parade , welche im letzten Jahr rund 10'000 Tnzerinnen und Tnzer
 auf Zrichs Strassen lockte, keine Bewilligung erteilen. Gegen den
 Entscheid haben die Organisatoren einen Rekurs an den Gesamtstadtrat
 gerichtet.

 Die Strassenparade, die jeweils im Sommer in zahlreichen europischen
 Stdten durchgefhrt wird, soll gemss Aussagen der Veranstalter eine
 Demonstration sein fr "Toleranz, Liebe, Friede, Freiheit und
 Grosszgigkeit". Daneben ist es eine Tanzdemo, bei der die berwiegend
 jugendlichen Demonstranten vor allem der Tekkno-Musik frnen. 1992
 erstmals durchgefhrt, beteiligten sich 1000 Leute am Umzug. Im
 vergangenen Jahr wurden 500 erwartet, und es kamen, begleitet von 16
 Lastwagen und Sattelschleppern, rund 10'000 Menschen. Es war gemss
 Statistik der Stadtpolizei beteiligunsmssig die mit Abstand grsste
 Kundgebung, die im vergangenen Jahr bewilligt worden war.

 Mit der "Toleranz und Grosszgigkeit" scheint es aber im Moment vorbei zu
 sein. Einer Anfrage von Organisator Marek Krynski beschied Stadtrat Robert
 Neukomm, "dass die Innenstadt von Zrich fr solche Grossanlsse vllig
 ungeeignet ist".
 Aufgrund des grossen Lrms, der massiven Verkehrsbehinderungen und des
 Schmutzes auf der Umzugsroute sei die Stadt im Interese der ffentlichkeit
 nicht mehr bereit, die "unertrglichen Immissionen der geplanten
 Street-Parade 1994 nochmals zu erdulden".

 Die Organisatoren, die gegen den Entscheid Neukomms eine 19seitige
 Rekursschrift verfasst haben, sind natrlich anderer Ansicht. Das
 "Sechseluten der 90er Jahre", als welches die Strassenparade bezeichnet
 wird, sei bisher ohne Zwischenflle verlaufen. Das Verkehrschaos sei
 entstanden, weil der Einsatzleiter der Polizei ber die Grsse des Umzuges
 "offensichtlich nicht orientiert" worden sei.
 Schliesslich verletzt die Verfgung nach Ansicht der Organisatoren das
 durch die Bundesverfassung garantierte ungeschriebene Grundrecht der
 Meinungsusserungs- und Versammlungsfreiheit. "Solange die Behrden in
 dieser Stadt den Sinn und die Motivation der Street-Parade mit einer solch
 banalen Unterstellung abtun, solange besteht warscheinlich Grund genug,
 fr mehr Toleranz gegenber der Jugend zu demonstrieren", schreiben sie im
 Rekurs.
 Nach Angaben von Robert Neukomm wird sich der Stadtrat voraussichtlich im
 Mai oder Juni mit der fr August vorgesehenen Street-Parade befassen.

 Thomas Hasler, TA 14.4.94

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 Na ja, dann befasst euch mal schn!
 Das bevorstehende Sechseluten wird sicher mehr Besucher aus ihren
 Wohnungen locken, die Verkehrsbehinderungen und "der Schmutz auf der
 Umzugsroute" wird um vieles grsser sein als bei der Street-Parade.
 Nur, und das ist der Unterschied, diesmal sind es die "DIE Organisatoren
 der Stadt", Persnlichkeiten mit Geld und Einfluss, die das Fest
 veranstalten.
 Bei den Stadtratswahlen gab ich meine Stimme der linken Seite der
 Kandidaten in der Meinung, dass genau solche Sachen weniger passieren
 wrden...
 Unsere derzeitigen "linken" Stadtrte haben sicher die 68er, vielleicht
 sogar die 80er Jahre (aktiv) erlebt. Mit dem lterwerden scheinen sie
 vieles zu vergessen. Zum Beispiel ein wenig mehr Raum fr etwas zu
 "erlauben", das nicht immer den allgemeinen, etablierten Vorstellungen
 entspricht.
 Bruno/Brsel

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 Die Spritzenabgabe in der Stadt Zrich 1992-94
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                1992            1993            1994
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 Januar                         279'750         243'400
 Februar                        299'100         253'500
 Mrz                           308'300         313'006
 April          210'813         392'400
 Mai            278'860         386'400
 Juni           343'671         471'560
 Juli           281'994         398'400
 August         316'317         427'700
 September      331'300         417'900
 Oktober        343'400         358'800
 November       255'600         320'300
 Dezember       323'520         357'900

 Quartier Echo 22.4.94

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 Streetparade und Spritzenabgabe scheinen zwei vllig verschiedene Dinge zu
 sein. Fr mich gehren sie zusammen.
 Verbote lsen Frust - und mit der Zeit, wenn jeder Ansturm mit Macht
 abgeblockt wird - Gleichgltigkeit aus. Immer mehr eingeklemmt sein in
 einem Schraubstock der enger und enger wird.
 Menschen - vor allem junge - brauchen freie Rume! Wenn sie fehlen, suchen
 sie sich diese irgendwo anders. Vielleicht im Bahnhof Letten...
 Bruno/ Broesel

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 Compact Disc:  Kampfansage an Piraten
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 Jedes siebte Musikalbum, das in Westeuropa ber den Ladentisch geht, ist
 eine gewerbsmssig hergestellte Raubkopie. Zudem wird schtzungsweise
 dreimal soviel Musik privat kopiert, wie CD's verkauft werden
 Der Musikindustrie entgehen so jhrlich Hunderte von Milionen Franken an
 Einnahmen (Gier...! Brsel). Sie fordert deshalb von der EU verstrkte
 handelspolitische und rechtliche Massnahmen.

 Sir Colin Southgate ist berzeugt, dass die europische Musikindustrie
 weltweit viel besser abschneidet als die meisten anderen
 Wirtschaftsbranchen. So stammt jedes dritte in der Welt verkaufte
 Musikalbum aus Europa. Von den zehn meistverkauften Singles sind sechs
 ebenfalls europischer Herkunft.
 Die Beatles sind die erfolgreichste Gruppe der Musikgeschichte. Paul und
 John die meistgehrten Komponisten.
 Trotz dieser Erfolge sieht der Vorsitzende des britischen Musikkonzerns
 EMI das Wohlergehen seiner Branche in Gefahr. Gewrbsmssig hergestellte
 Raubkopien machten nhmlich 1992 in Westeuropa nicht weniger als 14% aller
 Verkufe aus. Der Musikindustrie entgingen dadurch knapp 560 Mio.
 US-Dollar an Einnahmen. Zudem gingen im selben Jahr in Europa neben rund
 700 Mio. Musikalben nahezu 1,1 Mrd. leere Audiokassetten ber den
 Ladentisch. Untersuchungen zeigen, dass 90% dieser Kassetten zum privaten
 Kopieren von Musik verwendet werden. Die Summe der so zuhause kopierten
 Musik soll die Zahl der verkauften Alben um fast das dreifache
 bersteigen.

 Technologische Neuerungen machen den Kopierern ihr illegales Handwerk
 zusehends leichter. Musik wird immer hufiger digital aufgenommen und
 ausgestrahlt und kann so leicht in hoher Qualitt kopiert werden. Aber
 weder die gewerbsmssigen noch die privaten Kopierer entschdigen die
 Knstler und Produzenten. Sie sparen sich teure Promotionskampagnen und
 untersttzen auch keine Talente. Dadurch gert vor allem das
 wirtschaftliche berleben der kleinen, meist mit lokalen Knstlern
 arbeitenden Musikfirmen in Gefahr. EMI-Chef Southgate (kein Kleiner! Br)
 kam deshalb letzte Woche mit Vertretern des Verbandes der internationalen
 phonografischen Industrie (IFPI) nach Brssel, um Beamten der EU zu
 erklren, "dass eine erstklassige Industrie nicht mit einem zweitklassigen
 Schutz fortbestehen kann", wie er an einer Pressekonferenz sagte. IFPI
 habe mit der Entwicklung einer Methode bereits das ihre getan, um legale
 Kopien erkennbar zu machen. Musikpiraten knnten aber nur dann erfolgreich
 bekmpft werden, wenn zustzlich handelspolitische und rechtliche
 Massnahmen getroffen wrden.
 Southgate forderte die EU-Verantwortlichen deshalb auf, Einfuhren aus
 Staaten wie China, Mexiko, Saudiarabien oder Polen zu verbieten. Diese
 Staaten htten noch keinen hochstehenden Urheberrechtsschutz und seien
 deshalb fr Musikpiraten wahre Paradiese. Zudem mssen berall in der EU
 eine einheitliche Urherberrechtsabgabe auf leeren Kassetten eingefhrt
 werden - und zwar auf dem hchstmglichsten Niveau. Gegenwrtig kennen
 acht der zwlf EU-Staaten eine solche Gebhr, die zwischen 5 und 26% des
 Verkaufspreises pendelt (na das sollte doch wohl gengen...! Br).


 Auch in der Schweiz floriert der Graumarkt
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 Branchenkenner sind sich einig: "Die Plattenpiraten sind ein Riesenproblem
 in der Schweiz." Sowol Peter Vosseler, Prsident der IFPI Schweiz, der
 Dachorganisation der Tontrgerproduzenten, als auch Brigitte Bnziger von
 der Urheberrechtsgesellschaft SUISA beziffern den Anteil der verkauften
 Raubkopien am Gesamtmarkt auf ber 5%. Wertmssig sind das mehr als 20
 Mio. Franken, welche zum rger der Plattenindustrie in die Kasse dubioser
 Anbieter fliessen.
 Diese schleusen ohne Rcksicht auf Lizenzgebhren, Warenumsatzsteuer,
 Urheberrecht oder Interpretenschutz in zunehmenden Masse Raubkopien in den
 Plattenhandel. Getarnt als Konkursmasse oder Sonderangebot findet die
 Flscherware Eingang in das Sortiment von Grossverteilern. Zwar droht das
 neue Urheberrechtsgesetz mit Bussen bis 100'000 Fr. Busse oder Gefngnis,
 doch das hlt Tonpiraten kaum von ihrem Tun ab. So wurde im Zrcher
 Opernhaus erst krzlich ein Mitschneider in flagranti erwischt. Und im
 vergangenen Herbst flog der bislang grsste Fall von Musikpiraterie auf:
 Eine Glarner Firma soll 260'000 CD's mit Elvis-Songs gepresst haben -
 unautorisiert. Die CD's wurden beschlagnahmt und vernichtet.
 ...
 Martin Gollmer und Martin Huber, TA. vom 9.4.94

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 War die Zeit der Piratensender nicht eine faszinierende Zeit? Der Ausdruck
 "Musikpiraterie" bringt mir wieder das Kitzeln in den Nacken zurck...
 Und alle die damaligen Schwarzpressungen an LP's, die einem sonst verloren
 gegangen wren...  Schn, dass diese Vielfalt mit den CD's hnlich
 bleibt...

 Bei den heutigen Produktionskosten kommt eine CD billiger zu stehen, als
 ehemals eine LP. Trotzdem ist eine CD immer noch um vieles teurer.
 Der finanzielle Anteil des Interpreten ist nicht grsser geworden.
 Macht die CD's endlich billiger, dann verschwinden alle eure (kribbel-)
 Piraten-Probleme von selbst!
 Brsel/Bruno

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 Gestorben:
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 Nirvana-Snger Kurt Cobain.
 Der Leadsnger der weltbekannten Rockgruppe "Nirvana", Kurt Cobain, ist
 tot. Nach Angaben der Polizei hat sich der 27jhrige in seiner Wohnung in
 Seattle mit einem Schrotgewehr offenbar selbst erschossen. Darauf deute
 ein bei der Leiche aufgefundener Abschiedsbrief hin. Ein Installateur,
 der zu Reparaturen in die Wohnung gekommen war, hatte den toten
 Popmusiker entdeckt.
 Anfang Mrz war Cobain in Rom in ein Spital eingeliefert worden, nachdem
 er wegen Medikamenten- und Alkoholkonsums ins Koma gefallen war. In der
 Folge hatte Nirvana mehrere Konzerte abgesagt.


 Dr.Feelgood-Grnder Brilleaux.
 Lee Brilleaux, der Grnder der Rhythm'n'Blues-Band "Dr.Feelgood", ist am
 Freitag in seinem Haus auf Canvey Island in Sdostengland im Alter von 41
 Jahren an Krebs gestorben.
 Brilleaux, von Freund und Manager Chris Fenwick als "schwer trinkender
 und schwer arbeitender Mann" bezeichnet, wurde in Durban (Sdafrika)
 geboren und grndete 1972 in England "Dr.Feelgood".
 Die Band lancierte ihre grssten Hits mit dem Song "Milk And Alcohol" und
 vor allem mit dem Album "Stupidity", das 1976 innerhalb der ersten Woche
 nach seiner Verffentlichung Platz eins der Charts erreichte.
 Dr.Feelgood beeinflusste spter zahlreiche Punkbands wie Clash, The
 Boomtown Rats und Eddie And The Hot Rods.
 Nach jhrlich bis zu 250 Konzerten unter anderem in Japan, Australien,
 den USA und der ehemaligen Sowjetunion hatte Brilleaux seinen letzten
 Auftritt in der "Dr.Feelgood Bar" auf Canvey Island.

 SDA/Reuter (TA vom 9.4.94)

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 Bitte grsst mir dort oben Janis Joplin, Jim Morrison und Jimi Hendrix!
 Ich vermisse eure Wrme sehr in unserer heutigen, unmenschlichen Zeit.
 Bruno/Brsel

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 Pldoyer gegen die drohende Beatles-Reunion

 LET IT BEatles!
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 Deep Purple mussten es mehrmals ber sich ergehen lassen.
 Die Eagles und Steely Dan werden die nchsten sein.
 Doch das Schlimmste steht uns noch bevor: Der Fluch der Wiedervereinigung
 soll demnchst auch die Beatles treffen.

 H E L P !


 New York, 8.Dezember 1980. Ein Mann wird auf offener Strasse erschossen.
 Vor seinem Hauseingang. Als der fassungslose Portier den Schtzen fragt,
 ob er wisse, wen er gerade abgeknallt habe, antwortet dieser cool: "Ja ich
 habe soeben John Lennon erschossen." Der Mrder hiess Mark Chapman, ein
 Irrer.
 Auch Prsident Reagan sagte, dass Lennons Tod eine grosse Tragdie sei. Er
 glaube aber, dass eine Gesetzgebung ber das Tragen von Handwaffen keine
 Lsung bringe.
 Chapmans Knarre lste ein anderes Problem. Die Frage nach der
 Wiedervereinigung. Seit 1970 werweissten wir - die heute 35- bis
 55Jhrigen: Treten die Beatles noch einmal zusammen auf? Chapman, dieser
 gottverdammte Killer, stellte in jener nasskalten New Yorker Dezembernacht
 alles klar. John Lennon war tot. Die Beatles auch.

 "Die Todesschsse trafen eine ganze Generation verwelkender Blumenkinder",
 schrieb Wolf Wondratschek im "Spiegel". Fnf Bleikugeln hatten den Traum
 von ALL YOU NEED IS LOVE endgltig zerfetzt. Einige Wenige sahen am Tag
 Eins nach Lennons Tod keine Zukunft mehr. Sie nahmen Worte ihres Gurus
 wortwrtlich. HAPPYNESS IS A WARM GUN: In Salt Lake City jagte sich ein
 gewisser Michael Craig, 30, eine Revolverkugel in die Schlfe. SHE'S
 LEAVING HOME: In Florida schluckte ein 16jriger Beatles-Fan eine Dosis
 tdlicher Tabletten. Sie hiess Coleen Costello, war kaum auf dieser Welt,
 als ihre Idole bereits versuchten, mit anderen Pillen in eine andere Welt
 abzuheben.

 Als der Irre Chapman den "Verrckten" John Lennon kaltbltig aufs New
 Yorker Pflaster streckte, war ich gerade 25. Mit Jahrgang 1957 ein leicht
 versptetes Blumenkind. Aber ein Kind mit Beatles in den Ohren - seit
 1965, als ich sechs war, und meine ltere Schwester unseren
 Lenco-Plattenspieler und meine hrchen mit "Please-Please-Me-Twist-And-
 Shout-Biszumgehtnichtmehr" zum Glhen brachte.
 Ich mochte John immer lieber als Paul; zuerst, weil alle Mdchen fr Paul
 schwrmten. Dann, weil John die lngeren Haare trug. Spter, weil Lennon
 der Streitbare, der Umstrittene, der Avantgardist, aber auch der
 Kontroverse unter den ehemaligen Pilzkpfen war. Ein Guru war er fr mich
 jedoch nie.
 Natrlich wurden die Beatles schon lngst vor John Lennons Tod zum Mythos
 mutiert. John, der etablierte Bohemien, versuchte zwar immer wieder
 dagegen anzukmpfen. "I no longer believe in myth", schrie der Ex-Beatle
 1971 auf sein Solo-Vinyl. Erfolglos.
 Als Ende 1980 die Fab-Four a.D. gewaltsam zu einem Super Trio in Spe
 reduziert wurden, war die Legende perfekt. Es trat ein, worber sich der
 bissige Sptter John Lennon einst in einem Interview mokiert hatte: Die
 Beatles waren zehn Jahre nach ihrem ersten Tod fr viele Menschen wieder
 populrer als Jesus Christus.
 Die einschlgigen Bltter von Miami Beach bis BACK IN THE USSR schrieben
 ihre Requiems. Die Basler Zeitung griff zum ultimativen Superlativ:
 "Superstar John Lennon". Aber nicht alle weinten sich mit dem Tod eines
 Beatle Auflage herbei. Die "Weltwoche" sah Lennon als "Opfer der
 Beatlemania". Der "Tages-Anzeiger" analysierte nchtern: "Ein Querschlger
 in einer verqueren Welt".
 Noch querer und mit der Wucht von MAXWELL'S SILVER HAMMER drosch ein Leser
 des sterreichischen Nachrichtenmagazins "Profil" auf die trauernde
 Beatlesgemeinde ein. Der Mann schrieb: "Smtliche Beatles-Fans, die immer
 nur nachlaufen und nachplappern, ohne einmal selber zu denken, sollten
 diesem Mark Chapman sehr dankbar sein, denn er hat stellvertretend fr
 viele andere eine Legende geboren, indem er einen Mann erschoss: denn John
 Lennon htte diese Legende vielleicht zerstrt."

 Der Ketzer hatte recht. John Lennon war auf dem besten Weg, brave
 Hausmanns-Musik zu machen. Ein WORKING CLASS HERO war klammheimlich zum
 musikalischen Pantoffelhelden aufgestiegen. Natrlich tnte seine
 Comeback-Platte "Double Fantasy" ansprechend, konnte sich mit vielem
 messen, was sich zu dieser Zeit vergolden liess.
 Aber die Fantasie, der Esprit, die Chemie, die einst SGT. PEPPER
 beflgelten, waren schon lngst im Staub der LONG AND WINDING ROAD
 verloren gegangen. Lennon klang schon fast so nett wie McCartney, den er,
 so will es eine andere Legende, noch wenige Monate vor seinem Tod aus
 seiner New Yorker Wohnung rausgeschmissen hatte, weil ol'pal Paul sich mit
 ihm ber eine Wiedervereinigung ausplaudern wollte.

 Der letzte Atemzug des bedauenswerten John Lennon war fr die kritischen
 Beatles-Liebhaber in gewisser Weise ein Aufatmen. Ohne John, den Bauch und
 den Kopf der genialsten Popgruppe aller Zeiten, war eine Fortsetzung der
 MAGICAL MISTERY TOUR schlicht undenkbar. LUCY IN THE SKY WITH DIAMONDS und
 all die anderen Juwelen konnten von den Beatles - auch gegen Millionen von
 Diamanten - nie auf den irdischen Bretterverschlag einer Bhne
 heruntergeholt werden.Denn seit 1966, als man ihnen im letzen Konzert in
 San Franzisko mit Handzeichen andeuten musste, dass das Gekreische ihrer
 Fans das Scherbeln der Marshall-Verstrker um einige Dezibel bertraf,
 waren die Fab-Four nie mehr zusammen live aufgetreten. So wurden die
 Beatles-Songs wenigstens nicht von den Beatles selbst gecovert. Denn als
 wir uns WHEN I'M SIXTY-FOUR auch noch in der Version eines geblasenen
 Schottisch von der Feldmusik Luegisland aus Hinterzupfikon anhren
 mussten, wussten wir, dass THE END nicht mehr weit war.

 Aber es kam anders. SHE CAME IN THROUGH THE BATHROOM WINDOW. Der melomane
 Evergreen und geschftstchtige Entertainer Paul McCartney stimmte auf
 seiner World Tour '80 pltzlich alte Beatles-Hymnen an, und wahrlich
 fielen allen Trnen und einigen gar Schuppen von den Augen. Alle schrien
 sie GET BACK - was McCartney Post-Beatles-Repertoire wohl nicht gerade
 schmeichelte. Und als man in Beatlandia vernahm, dass die anderen
 Show-Schuster, die Herren Harrison und Starr, auch wieder langsam zu ihren
 Leisten zurckfanden, wurde erst recht wieder l ins Gerchte-Feuer
 gekippt.
 Das COME TOGETHER nahte. Und siehe da, es stand - wie immer - zuerst im
 "Blick": "Die Popsensation des Jahres: Die Beatles sind wieder da!"
 feierte das Allerweltsblatt am 30. Dezember 1992 nochmals Weihnachten. In
 einem Tonstudio in New York wrden Paul McCartney, Georges Harrison und
 Ringo Starr einer neuen LP "den letzten Schliff" geben. Sogar von einer
 grossen Welttournee war die Rede. Yeah, yeah, yeah - offenbar hat man bis
 heute fr diese LP keinen geeigneten Vertrieb gefunden.
 Mitte Mrz 1993 schoss Ringiers Armbrustblatt einen weiteren Pfeil in die
 Wunden des SGT. PEPPER'S LONELY HEARTS CLUB: In einem Interview mit SWF 3
 htte McCartney "besttigt", dass sie tatschlich eine gemeinsame Platte
 aufnehmen wrden. O-Ton Paul: "George ist begeistert. Er will. Ringo will.
 Und ich will auch." Alle wollen sie. So einfach ist das. ALL TOGETHER NOW:
 I WANNA HOLD YOUR HAND.

 So durchBLICKend einfach ist es glcklicherweise nicht. Wenn man dem
 Magazin "New Yorker" glauben will, und es spricht bisher auch wenig
 dagegen, sind die drei berlebenden Veteranen tatschlich drauf und dran,
 wieder gemeinsam im Studio zu arbeiten. Aber vor allem vor der Kamera -
 als Zeugen fr die Beatles-Autobiographie ("The Beatles Anthology"), die
 als Video-Serie 1995 auf den meistbietenden Fernsehkanlen in die guten
 Stuben flimmern soll. Ob Paul, George und Ringo noch ein bisschen Musik
 dazu machen, with a little help from their friends, versteht sich, wurde
 zwar vom "New Yorker" aufgrund von Quellen bei der Plattenfirma EMI
 Records behauptet. Der Unterhaltungsmulti hat sich inzwischen aber wieder
 zu einem vorsichtigen 'no comment' entschlossen.
 Immerhin: Ein Vierteljahrhundert nach dem Untergang des Flaggschiffs der
 Popmusik, sollen nun kostbare Schtze aus dem Beatles-Wrack im Londoner
 Abbey Road Studio gehievt werden. George Martin, erster Sound-Offizier auf
 der YELLOW SUBMARINE, bastle zurzeit an vier bis sechs CD's mit bisher
 unbekanntem Beatles-Material. Es handle sich aber in erster Linie um
 andere Versionen bereits verffentlichter Songs, Live-Konzerte und
 Rundfunkaufnahmen..

 Die Frage bleibt: Wie gross ist die Gefahr wirklich, dass sich Paul,
 George und Ringo wieder zusammenraufen und womglich im Namen der Beatles
 das Comeback des Jahrhunderts inszenieren? Minim, schtzen Insider. "Sie
 mssten verdammt gut sein, um den riesigen Erwartungen des Publikums zu
 entsprechen", heisst es in der Branche.
 Klar ist, dass die Platten-Multimillionre jederzeit die weltbesten
 Musiker an die Abbey Road einfliegen knnten. Aber wer ersetzt John
 Lennon? Heureka! Der APPLE fllt nicht weit vom Stamm: Julian, Johns Sohn
 aus erster Ehe mit der blonden Cynthia, die er mit 22 heiratete, weil sie
 ihn doch so sehr an Brigitte Bardot erinnerte. Julian wre wohl der
 geeignetste Ersatzspieler, und mit McCartney soll Lennon 2 auch bestens
 harmonieren. Schliesslich hatte Onkel Paul ihm damals ein trstendes
 Lullaby gewidmet, als sein Daddy sich nur noch fr Yoko intressierte: HEY
 JUDE.
 JR Lennon hat Talent, zweifellos. Und er gleicht seinem bervater auf die
 Nase wie auf die Stimme. Apropos Stimme: Wie ein amerikanische Beatles-
 Fanheftli meldet, wollen McCartney, Harrison und Starr den Song "Free as a
 bird", den Lennon 1980 aufgenommen hat, neu einspielen. Dabei soll Johns
 Original-Gesangsspur eingefdelt werden. Sie sehen, kein Problem. 'Please
 welcome: The Beatles 1994 featuring John Lennon, lead vocals'. John kme
 sich wohl vor wie einstweilen THE FOOL ON THE HILL.

 Und wir auch. Sind wir doch ehrlich: Wir, die nicht mehr ganz Jungen aber
 Junggebliebenen, brauchen heute keine "neuen" Beatles, die im meist faden
 Einheitsbrei eines Elton John und Phil Collins mitblubbern. EIN Paul
 McCartney reicht. Aber ohne RUBBER SOUL, REVOLVER und SERGEANT PEPPER
 werden wir auch in Zukunft nicht leben knnen, wollen - und mssen.

 Und die ganz Jungen? Mit Verlaub, haben Beavis & Butthead schon jemals das
 Wort Beatles gerlpst? Suck! Nein, die Zeitschrift "Musikwoche" irrt sich,
 wenn sie behauptet: "Alle wollen die Beatles." Richtig wre, alle wollen
 den Jahrhundert-Mega-Deal mit den Beatles. Wie zum Beispiel ein gewisser
 Ray Foulk, Promoter des Isle Of Wight-Festivals, das nach 24jhriger Pause
 aus der Versenkung gestampft werden soll. Warum sonst htte er jedem der
 drei alternden Gentlemen 2,5 Millionen Pfund fr den gemeinsamen Auftritt
 geboten? BABY YOU'RE A RICH MAN. Bob Dylan klimperte bei der Erstausgabe
 des Inselhappenings fr 58'000 Pfund. Poor Bob!

 Fr ein Reunion-Concert der Beatles im New Yorker Central Park soll
 neulich die astronomisch-dekadente Summe von 50 Millionen Dollar geboten
 worden sein. (Lady) MADONNA! Holt doch wieder den Pavarotti. Der macht's
 bereits fr EINE Million. Und wenn ihr noch eine weitere springen lsst,
 dann singt er bestimmt auch YESTERDAY.

 Hugo Bigi, Bonus 18.4.94
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 Liebe Beatles, ich liebe euch, und das immer ber alles!
 Aber bitte bitte, bleibt in eurer angestammten Vergangenheit, dort wo ihr
 hingehrt: in meine Erinnerung. Ich brauche euch immer wieder zum Trumen
 in der alten, noch unbeschwerten Zeit... LOVE ME DO!
 Bruno/ Broesel

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 Liedermacher: Hannes Wader

 DER ALTE MANN UND DAS LIED
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 "Dinosaurier" nennt er sich gleich selber: Hannes Wader, Vertreter der vom
 Aussterben bedrohten Spezies "linke Liedermacher". Vom Liedermachen hlt
 ihn der Gang der Dinge sowenig ab wie vom heiteren telefonieren mit
 Matthias Bachmann.

 "Phonogram hat mich letzte Woche gefeuert", sagt Hannes Wader mit einer
 Beilufigkeit, mit der andere das vierte Bier bestellen. Die Plattenfirma,
 bei der er den Grossteil seiner Karriere verbrachte, schmeisst ihn raus -
 und Wader lchelt: "Die Firma hnelt sich inzwischen selber nicht mehr.
 Das sind jetzt alles ganz junge, dynamische Leute. Es gibt keinen Platz
 mehr fr mich - bei keiner Firma."

 Das sagt einer, der war einmal ein Star, links von Reinhard Mey und unweit
 von Franz-Josef Degenhardt. Im aufrhrerischen Berlin der Sechziger dachte
 er sich, ein Klampfenmann mit Biss, Witz und Sentiment, etwas Brassens,
 Dylan und Guthrie wrde auch dem schlagergeplagten Deutschland nicht
 schaden.
 Spter setzte er sich via Hamburg in eine friesische Windmhle ab und
 verlor doch weder Stachel noch Publizitt. 1971 etwa sang er ber seine
 Lehre als Dekorateur die "Arschkriecherballade" - und der Titel allein
 liess aufhorchen. "Eine herbe Ausdrucksweise war das schon in jener Zeit.
 Meine Generation hatte ja grad erst begonnen, Lieder mit Kanten und Inhalt
 zu schreiben. Heute sind das natrlich alte Gamellen, die rgern keinen
 mehr. Ja, manchmal habe ich das Gefhl, dass heute die Situation genau
 umgekehrt ist. Damals war alles voller Regeln und Massregelungen. Heute
 herrscht Beliebigkeit - die macht genauso elend wie damals die Einengung,
 und sie macht das Singen schwer. Heute kann ich Politiker beleidigen, zum
 Auslndermord aufrufen - das juckt keinen", sagt Wader mit der
 bertreibungslust des Unzeitgemssen.

 Aber nicht nur die Reibflchen gingen verloren. Bis 1989 war Wader
 Mitglied der DKP, als der Kommunismus seine letzte Evidenz verlor. Ersatz
 fand Wader keinen: "Es ist keine wasserdichtere Ideologie an die Stelle
 getreten. Aber ich habe den Vorzug, etwas lter geworden, auf keine
 Ideologie mehr angewiesen zu sein." Und da kehrt sie wieder, Waders
 heitere Gelassenheit. Da muss also etwas sein, was dem Verlustgeplagten,
 dem Desorientierten und Unzeitgemssen Zufriedenheit gibt. "Trotz
 alledem", wie er Biermann zitiert. Vielleicht ist es der Sohn, der ihn
 beim Interview stndig strt, bis ihn Papa durchaus unzeitgemss
 massregelt. Mehr noch drfte es Waders eigene Jugend sein - frher
 aktueller Gegenstand seiner Lieder, heute obsessiver, oder wie Wader in
 Waders Worten: "Wie Hemingway sagte: Das Kapital jedes Autors ist seine
 unglckliche Kindheit. Fast alle Schriftsteller waren unglckliche Kinder.
 Das mssen sie jetzt verarbeiten. Ich werde es tun, bis ich verrecke."

 Man hrt's, sogar eine Portion Pathos entlockt diese Bastion des
 Unentreissbaren dem Verlustgeplagten. Die lsst ihn nur lachen ber den
 Vorschlag, sich doch auf das Grnemeyer-Aktualitts-Niveau zu liften.
 Diese Jugend stimmt ihn mal heiter-ironisch, mal anekdotisch-gerhrt. Und
 um andere an ihr teilhaben zu lassen, stimmt auch ein Dinosaurier gern
 noch das eine und andere Lied an.

 Matthias Bachmann, Zritip 22.4.94

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